Hana Wichterlová
1903 - 1990
die „grande dame“ tschechischer Bildhauerei
Hana Wichterlova wurde in Prostejov in die Familie eines erfolgreichen Fabrikanten hineingeboren, der Maschinen für die Landwirtschaft und Autos produzierte. Ihre Familie war mit dem Architekten Jan Kotera wohlbekannt, der in den Jahren 1905 – 1907 das Haus des Volkes plante und in Prostejov baute – ein prachtvolles Haus im Jugendstil. Herr Kotera empfahl der Familie die begabte Hana an einer Kunstschule studieren zu lassen. Mit 16 Jahren begann sie an der Akademie der bildenden Künste in Prag, wo sie in den Jahren 1919 – 1925 Bildhauerei bei Jan Sturs studierte. Ihre damaligen Studienkollegen waren unter anderem Josef Wagner und Vincenc Makovsky. Ihr Studium an der AVU (Akademie der bildenden Künste in Prag ) schloss sie mit der Arbeit „Údiv“ („Staunen“) ab, einem bedeutenden figürlichen Werk, das sie an die Spitze der tschechischen modernen Bildhauerei stellte.
In den Jahren 1926 – 30 lebte und studierte sie in Paris, wo sie unter anderem Vorträge von Frantisek Kupka hörte. In Paris schuf sie insgesamt 5 Skulpturen. An diese Arbeiten knüpft die Skulptur „Knospe“ (1932) an. Diese Skulptur wird als eines der wichtigsten Werke tschechischer Bildhauerei zwischen den Weltkriegen erachtet. Sie hat ihren Ursprung im tiefen Interesse seiner Autorin an der Natur, die sich zusammen mit der Ausrichtung auf Besinnlichkeit in Verbindung mit fernöstlichen Philosophien im überwiegenden Teil ihres Werkes überhaupt zeigt. In den 40er Jahren schuf sie zwei bedeutende Köpfe: „černa hlava“ (schwarzer Kopf) und „Vivekananda“ (1956 – 58). Ihre Arbeiten der 60er und 70er Jahre greifen die Motive aus der Natur der Vorkriegszeit auf (Pecka (Kern) 1964, Lusk (Schote) 1967 und Jádro (Kern) 1976).
Einen besonderen Platz im Werk der Künstlerin verdient die unvollendete figürliche Skulptur „Mahulena“ (1955 – 1990), eine Darstellung der Symbiose eines Baumes und eines weiblichen Körpers. Der Kopf und die Arme sind geformt, während der Körper und die Haare aus der Baumrinde zusammengefügt sind. Die behäbige Vertikale des Stammes wird durch das mädchenhafte Antlitz aufgelockert.
„Mahulena“, eine komplexe Zusammenfügung natürlicher Details mit geformten Anteilen wurde zum Logo der Bildhauersymposien in Prostejov. Die Organisatoren des Symposiums erweisen so der grande dame der tschechischen Bildhauerei die Ehre.
Danksagung:
Spezialdanksagung gehört Frau MUDr Linda Wichterle und Frau Alena Wichterle für die Zustimmung mit dem Symposiumlogo, für Familienmaterialien und Erinnerungen an Hana Wichterle.